Donnerstag, 9. Mai 2013

Magic Wood

Mehr im Magic Wood zu bouldern ist ein Ziel für dieses Jahr. Unser erster Averstag ist ein Regentag. Foxy Lady ist der einzige trockene Boulder. Philipp und Michi können beide ziemlich schnell die Dyno-Variante klettern. Die originale Riss-Linie (Bild oben) können wir leider nicht ganz zusammenhängen. Abgesehen von den Versuchen in Foxy Lady klettern wir nur noch Muchacha. So heisst die markante Kante direkt oberhalb des Riverbeds.

Wenige Tage später sind wir wieder zurück im Wald. Nach einigen einfacheren Bouldern stehen wir wieder unter Foxy Lady. Der neuseeländische Sportfotograf Eddie Fowke (eddiefowkephotography.com) ist zufälligerweise auch hier und macht einige schöne Fotos. Merci! Dieses Mal klappt es mit dem Durchstieg in wenigen Versuchen.


Sonntag, 14. April 2013

Poseidon - Gott oder Guru?


Das Wetter ist endlich perfekt und um 10 Uhr morgens entscheiden wir (Philipp und Michi) uns, etwas zu unternehmen. Zur Auswahl stehen das Telli oder die sagenumwobene Guruplatte am Hunds-Chopf. Da die Temperaturen schon sehr sommerlich sind, beschliessen wir, nach Seelisberg zur Guruplatte zu fahren. Gute zwei Stunden später fetzen wir mit den Kickboards über die Strasse zum Hunds-Chopf. Zu Fuss steuern wir durch den Wald weiter auf der Suche nach der Abseilstelle. Schnell stossen wir auf die Abbruchkante, wo der friedliche Wald abrupt endet und beinahe vierhundert Meter tiefer der Urner See in der Nachmittagssonne glitzert. Entlang dieser Kante stossen wir linkshaltend auf die angepeilte Abseilstelle. Nach Philipp's ersten fehlgeschlagenen Seil-Rauswerf-Versuchen, er meinte, im alpinen Gelände hätte es sonst nicht so viele Bäume, seilen wir uns kurz vor halb drei endlich in die Wand ab. Das zweite Mal Abseilen führt uns über die Abbruchstelle des Felssturzes von 2008. Nach drei weiteren, reibungslosen Abseilmanövern stehen wir am oberen Ende einer kleinen Geröllterrasse immer noch zweihundert Meter über der Wasseroberfläche inmitten der Wand.

Bild links: Tiefblick vom Ausstieg auf den See und die letzte Seillänge. Die Kunst des Seilwerfens erfordert unterhalb der Baumgrenze besonderes Können.

Michi startet gleich in die erste Seillänge und wie erwartet ist die Kletterei nicht einfach ein Spaziergang, wie der Schwierigkeitsgrad vielleicht vortäuschen könnte, sondern erfordert Fusstechnik und Übersicht. Die Kulisse ist fantastisch und als die Sonne hinter den Felsen verschwindet, ist auch das Klima sehr angenehm. Philipp klettert die nächste Seillänge, die über einen kleinen, griffigen Aufschwung auf die nächste Platte führt. Die dritte Seillänge wartet mit laut Topo 45 Klettermetern und verursacht schmerzende Füsse in den engen Kletterfinken. Die vierte Seillänge erreicht das obere Ende der Guruplatte, wo die schwierigen Stellen dieser Route allesamt bewätligt sind. Die fünfte Seillänge führt an der Kante eines meterbreiten Risses hinauf, bevor es in der Letzten nochmals plattig wird. Zum Schluss hetzen wir hinauf, da wir unbedingt den Bus erwischen wollen. Pünktlich in Seelisberg angekommen stellen wir fest, dass der Bus fünf Minuten früher fährt als wir dachten. Der gute alte Autostop hilft uns zum Glück wiedermal weiter.

Die Route Poseidon in der Guruplatte am Hundschopf ist wirklich lohnend. Das Ambiente ist einmalig, Klettereien mit Seen unter den Füssen gibt es in der Schweiz nicht zuhauf. Die Felsqualität ist ziemlich gut, nur selten sind kleine Käntchen ausgebrochen. Es hat sich gelohnt, anstelle eines Klettergartennachmittags wiedermal eine kleine Mehrseillängentour zu klettern. Das Topo zur Route findet man im neuen Zentralschweizer Kletterführer. Die empfohlenen mobilen Sicherungsgeräte können übrigens nicht eingesetzt werden und sind auch nicht notwendig. Haken sind vorhanden, man braucht nur zehn Expressen mitzunehmen.

Samstag, 23. März 2013

Schattental

Wenn die Temperaturen wieder steigen, endet die Chironico-Saison langsam aber sicher. Der letzte Sektor, wo es sich noch angenehm klettern lässt, ist das Schattental. Im Flussbett finden sich einige glattpolierte Felsen, die wirklich guten Blöcke stehen aber weiter oben im Wald. Der erste Besuch im Schattental führt uns nach dem Warmup in Vasco de Gama und Microcosmos zur Pet Terapie (Bild oben: Chrigu am Sloper von Pet Terapie). Der Stehstart ist ein wunderschöner Boulder für sich, der Sitzstart fügt einige kräftige Züge hinzu. Wir brauchen einige Versuche, bis die richtige Beta gefunden ist. Chrigu entdeckt die perfekte Lösung für den ersten Move, die eine erfolgreiche Begehung ermöglicht.


Ein weiterer Klassiker neben der Pet Terapie sit down heisst Bridge over Troubled Water (Bild links). Dieser geniale Lowball fügt einige anspruchsvolle Züge zum mehr oder weniger einfachen Stehstart hinzu. Der Sitzstart ist technisch ziemlich anspruchsvoll und die schlechten Griffe lassen keinen Spielraum für zahlreiche Lösungen. Beim ersten Besuch an diesem Boulder bleibt das A**** am Boden sitzen. Mit Sebastians Beta fühlt sich der Zug jedoch plötzlich ziemlich gut an. Das Auflösen klappt genauso, aber dafür wird der weite Zug von der abschüssigen Leiste zum Henkel zur Crux. Der Erfolg kommt darum erst beim nächsten Besuch mit frischer Fingerhaut.

Bei den relativ neuen Bouldern Sollbruchstelle von Guntram Jörg (Video) und Schnittstelle von Heiko Queitsch ist leider ein grosser Griff ausgebrochen. Schnittstelle ist deutlich einfacher, weil in der Cruxpassage zuoberst nun ein ziemlich grosser Tritt die Züge entschärft. In der Sollbruchstelle ist der Unterschied noch extremer. Die kleine Leiste muss nur kurz gehalten werden, vom neu entstandenen Henkel können die Füsse direkt zur Kante geschwungen werden. Es ist immer noch ein lustiger Boulder, für uns aber leider auch ein Projekt weniger. Projekte haben wir hier jedoch trotzdem mehr als genug. Ein Boulder, den wir nächstes Jahr sicher wieder ansteuern, ist Nobody ist der Grösste. Der Kletterstil an diesem Block ist nicht zu vergleichen mit den anderen Problemen in Chironico. Der vom Bach geformte Fels liess nur genau die nötigen Strukturen zurück. Das zweite Mega-Testpiece, das wir auch kurz angeschaut haben, heisst Conquistador. Diese Compression-Line scheint etwas vom Besten zu sein, das Chironico zu bieten hat.

Auch einfachere lohnende Boulder gibt es im Schattental. Die kräftige und fingerlastige Linie von Os Veritatis gehört sicher dazu. Botero am gleichen Block oder God Save The Queen sind kleine Boulder, die schön zu klettern sind.

Den offiziellen Saison-Abschluss feiern aber schlussendlich Andrea, Beni und Michi an einem richtig warmen Frühlingstag im New Age und Centrale-Sektor. Hier haben sich einige Boulder vor unseren bisherigen Erkundungstouren versteckt. Shopping Estremo liegt am Morgen, als wir ankommen, voll in der Sonne. Die Griffe scheinen schon länger nicht mehr geputzt worden zu sein, darum müssen wir uns ziemlich anstrengen. Die nächste wirklich tolle Linie ist Diagon Halley. Michi kann diese kräftigen Züge an guten Leisten gleich im ersten Versuch zusammenhängen und Beni kann sein "altes Projekt" auch abhaken. Am gleichen Block klettern wir Pink Lady, bevor wir uns an den Mantle La Rivincita dei Ticinesi (Bild unten) wagen. Gegen Abend werden die Temperaturen langsam erträglicher und wir bouldern möglichst viel: die Platte Dessert, den One-Mover Il Moccolo oder die lustige kleine Traverse Rutti e Scoregge. Im Dunkeln wird zum Auspowern Doctor Med Dent wiederholt, bis die Arme versagen. Zufrieden fahren wir wahrscheinlich das letzte Mal diese Saison nach Hause und freuen uns schon jetzt auf die Zeit, wenn wir wieder ins Tessin fahren. Es gibt noch viel zu tun. We'll be back!

Sonntag, 3. März 2013

Fontainebleau - The Magic Forest

Erster Besuch im Mekka des Boulderns
Von Fontainebleau hört man viel - und es ist beinahe eine Schande, sich als Boulderer zu bezeichnen, wenn man nie diesen Ort besucht hat. Darum gab es nur eine mögliche Antwort auf Enzos Anfrage, übers Wochenende kurz nach Frankreich zu fahren. Die Vorfreude war gross. Unendlich geniale Linien gäbe es dort, man könne sich kaum entscheiden. Es stimmt wirklich!

Als wir endlich im lang ersehnten Wald von Fontainebleau ankommen, steuern wir gleich die Rocher aux Sabots an. Zuerst deutet nichts auf das gewaltige Kletterpotenzial - abgesehen von vereinzelten Steinen, die wir schon von der Autobahn aus gesichtet haben. Doch plötzlich tauchen aus dem Wald Felsen auf und schnell verlieren wir uns in diesem Labyrinth aus Blöcken. Réglette à Calcul heisst der erste Felskontakt in Bleau. Die überhängende Kante von Chapeau Chinois gleich daneben zieht uns als nächstes an. Die Strukturen des Gesteins sind phänomenal. Der nächste Klassiker des Gebiets nennt sich L'Oblique. Auf die ersten Moves folgt ein Sprung an die Kante und der Mantle oben raus ist einfacher, als es auf den ersten Blick scheint. Vorhin fiel uns die überhängende Wand von Jet Set (Bild links) auf. Kurze Zeit später sind die Matten unter diesem Dyno ausgelegt. Obwohl wir nur schon in diesem Gebiet genug zu Bouldern für einen viel längeren Trip hättten, ziehen wir weiter. Auf Umwegen gelangen wir zum Le Toit du Cul de Chien. Der Bleau-Boulder schlechthin muss natürlich auch geklettert werden. Später probieren wir einige anspruchsvollere Klassiker, sind aber nirgends mehr erfolgreich. Trotz viel Felskontakt ist noch genug Haut auf den Fingerkuppen. Der Fels hier hat verglichen mit den Tessiner Blöcken eine viel grössere Reibung und ist dennoch hautschonender.


Das nächste Ziel unserer Bleau-Reise ist Bas Cuvier. Wir verbringen eine grosse Zeit mit dem Klettern von einfachen Bouldern. Auch diese sind hier genial und manchmal gar nicht so einfach. Ein absolutes Muss in diesem Sektor ist La Marie Rose. Diese Platte wurde durch die Erstbegehung René Ferlet 1946 zum ersten 6A-Boulder der Welt. Zudem ist es einer der wenigen Stücke Fels auf diesem Planeten, wo der tschechische Ausnahmekletterer Adam Ondra seine Menschlichkeit zeigte. Ihm rutschte der Fuss weg (siehe Video). Jedoch wird dieser Ausrutscher oft als Täuschungsmanöver gedeutet, um die eindeutigen Indizien auf übernatürliche Kräfte zu vertuschen, denn Ondra flashte auf demselben Trip viel härtere Boulder wie zum Beispiel Gecko assis 8B. Jedenfalls freuten wir uns schadenfreudig, dass wir etwas flashen konnte, wo Adam scheiterte. Schliesslich kommt das nicht alle Tage vor.

Unser nächstes Ziel ist überhängender und bizepslastiger. Le Biceps Mou - der Name des Boulders verrät es schon. Dennoch ist es kein pures Kraftproblem. Jeder Zug muss sitzen - ein schöner Boulder. Corto Maltese (Bild rechts) ist wieder weniger steil - typischer Fontstyle. Ein Griff ist leider gechippt worden, doch der kann gut rechts liegen gelassen werden. Diese Sloperboulder gefallen uns immer besser und uns sticht La Conque à Doigt (Bild oben) ins Auge. Der Boulder besteht aus einem weiten, relativ einfachen Startzug und einem knallharten oben-raus-robben. Wir versuchen, pressen, rutschen - aber immerwieder gewinnt die Gravitationskraft. Erst ganz am Schluss nach gefühlten tausend Versuchen löst sich das Problem plötzlich ganz wehrlos. Wir haben eine Riesenfreude an diesen Auflegerbouldern. Zehn Meter weiter wartet Banlieue Nord direct. Nach den vorigen Mühen kommt uns diese Linie geradezu gütig vor. Zusammen mit zwei Franzosen würgen oder tänzeln wir die hohe Platte La Borniol hinauf. Später pilgern wir weiter in die Franchard Cuisinière und Franchard Isatis. Wir klettern viele einfachere Linien wie Saut de Puce, Coup de Rein und Retabonomie. Boulder wie Karma oder Miséricorde sehen unbeschreiblich gut aus. So etwas müsste man vor der Haustüre haben. Unsere Haustüre ist leider sechs Stunden entfernt. Aber wir kommen wieder!